• Katharina Wasa (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Prunkzimmer der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Katharina Wasa (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Die Frauen der Cirksena

Nicht regierende Gräfinnen und Fürstinnen

Auricher Porträts Katharina Wasas: Prunkzimmer der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Von den 17 regierenden Cirksena in Ostfriesland waren immerhin 4 weiblich, obwohl Frauen wegen des rein männlichen Erbrechts die Regentschaft nur ausnahmsweise für ihre minderjährigen Söhne ausüben konnten. (mehr …)

Eberhardine Sophie (Fürstin von Ostfriesland) - Mezzotinto-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (P. Schenk, 1700-1713)
Eberhardine Sophie (Fürstin von Ostfriesland) – Mezzotinto-Porträt (P. Schenk, 1700-1713. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)
Eberhardine Sophie (Fürstin von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Deutschen Sielhafenmuseums in Carolinensiel (G. P. van der Zeepen, 1693-1700?)
Eberhardine Sophie (Fürstin von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Deutschen Sielhafenmuseums in Carolinensiel (G. P. van der Zeepen, 1693-1700?)
Sophie Caroline (Fürstin von Ostfriesland) - Kupfersstich-Porträt im Besitz des British Museum London (M. Tyroff, um 1759)
Sophie Caroline (Fürstin von Ostfriesland) – Kupferstich-Porträt im Besitz des British Museum London (M. Tyroff, um 1759. Lizenz: Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 | Quelle: British Museum London | https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_Bb-8-100)
Sophie Caroline (Fürstin von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Deutschen Sielhafenmuseums in Carolinensiel (1720-1735?)
Sophie Caroline (? – Fürstin von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Deutschen Sielhafenmuseums in Carolinensiel (1720-1735?)
Sophie Wilhelmine (Fürstin von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert)
Sophie Wilhelmine (Fürstin von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jh.)
Sophie Wilhelmine (Fürstin von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert)
Sophie Wilhelmine (Fürstin von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jh.)

Heiratspolitik – die Erbinnen des Jever- und Harlingerlandes

Maria von Jever - Porträt im Besitz des Schlossmusuems Jever (Kopie, Anfang 20. Jahrhundert)
Maria von Jever – Porträt im Besitz des Schlossmusuems Jever (Kopie, Anfang 20. Jahrhundert)

Die ostfriesischen Grafen betrachteten das Harlinger- und das Jeverland als Teil ihres angestammten Herrschaftsbereiches. Da sich dort jeweils eine eigene Landesherrschaft entwickelte, versuchten sie nacheinander, die beiden Gebiete durch Heirat mit den jeweiligen Erbinnen für die Grafschaft zu erlangen.

Im Fall des Jeverlandes scheiterte der Anschluss, weil die Cirksena meinten, ihr Heiratsversprechen brechen zu können. Maria von Jever (s.o.) ließ sich nicht entmachten und vererbte ihr Land an die Grafschaft Oldenburg. Das Harlingerland wurde aber schließlich durch Heirat Teil der Grafschaft, obwohl dessen Erbin Walburgis von Rietberg (s.o.), nach der Geburt von zwei Töchtern verstarb und deren Abfindung die Cirksena in erhebliche Schwierigkeiten brachte.

Armgard und Walburgis von Rietberg im Alter von 13 beziehungsweise 7 Jahren - Porträt im Besitz des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster (H. Tom Ring, 1564)
Armgard (links) und Walburgis von Rietberg im Alter von 13 beziehungsweise 7 Jahren – Porträt im Besitz des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster (H. Tom Ring, 1564. Copyright: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Westfälisches Landesmuseum, Münster. Fotografin: Sabine Ahlbrand-Dornseif)

Weitere Porträts Marias von Jever u.a.:

C. H. Sonneke, 1865 – Schlossmuseum Jever (inkl. dessen Vorbilder)


1744 – weibliche Erbfolge für Ostfriesland?

Marie Charlotte (Prinzessin von Ostfriesland) - Porträt aus der Online-Sammlung "Grand Ladies" (G. P. van der Zeepen, 1707))
Marie Charlotte (Prinzessin von Ostfriesland) – Porträt aus der Online-Sammlung „Grand Ladies“ (G. P. van der Zeepen, 1707. Quelle: www.gogmsite.net – gemeinfrei)
Marie Charlotte (Prinzessin von Ostfriesland) - Mezzotinto-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (P. Schenk, 1700-1713)
Marie Charlotte (Prinzessin von Ostfriesland) – Mezzotinto-Porträt (P. Schenk, 1700-1713. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)

Nach dem Aussterben des Hauses Cirksena in männlicher Linie versuchten zwei Schwestern des vorletzten Fürsten Georg Albrecht, Marie Charlotte (1689-1761) und Friederike Wilhelmine (1695-1750) vergeblich, die Nachfolge anzutreten.

Statt dessen setzte sich Friedrich II. von Preußen durch und gliederte Ostfriesland seinem Herrschaftsbereich an.

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Theda (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert?)
  • Theda (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im sogenannten "Schlösschen", Aurich (H. L. Eyben, 1726)

Theda (1432-1494)

1466-um 1480 Gräfin von Ostfriesland

Auricher Regentinnenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft"Schlösschen", Aurich

Theda (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (19. Jahrhundert)
Theda (Gräfin von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (19. Jh.)

Theda war die Erbin und Enkelin des Häuptlings Focko Ukena und brachte dessen Besitz in die Ehe mit Ulrich Cirksena ein. Ihre Stunde schlug, als dieser unvermutet am 27. September 1466 starb und sie mit sechs unmündigen Kindern allein ließ. (mehr …)

Theda (Gräfin von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Theda (Gräfin von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (Kopie aus dem 19. Jahrhundert)
  • Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im sogenannten "Schlösschen", Aurich (H. L. Eyben, 1726)

Edzard I. (1462-1528)

1491-1528 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft"Schlösschen", Aurich

Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Kupferstich aus Hamconius: Frisia seu De viris rebusque Frisiae illustribus (P. Feddes von Harlingen, 1620)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Kupferstich aus Hamconius: Frisia seu De viris rebusque Frisiae illustribus (P. Feddes von Harlingen, 1620)

Edzard I., „der Große“, ist der weitaus bekannteste und populärste ostfriesische Landesherr aus dem Hause der Cirksena. (mehr …)

Weitere Porträts

Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg (J. C. van Oostsanen, um 1517)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg (J. C. van Oostsanen, um 1517. Lizenz: Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 | Quelle: Kulturerbe Niedersachsen)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Musée des Beaux-Arts Dijon (nach J. C. van Oostsanen, um 1520)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Musée des Beaux-Arts Dijon (nach J. C. van Oostsanen, um 1520. Copyright: Musée des Beaux-Arts. Fotograf: François Jay)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Rijksmuseum Amsterdam (nach J. C. van Oostsanen, 16. Jahrhundert)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Rijksmuseum Amsterdam (nach J. C. van Oostsanen, 16. Jh. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der National Gallery London (frühes18. Jahrhundert)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der National Gallery London (frühes 18. Jh. Lizenz: Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 | Quelle: National Gallery London | https://www.nationalgallery.org.uk/paintings/NG2209)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Ostfriesischen Landesmuseums Emden (H. Vosberg, um 1860-1890)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Ostfriesischen Landesmuseums Emden (H. Vosberg nach „Londoner Porträt“, um 1860-1890. Quelle: Ostfriesisches Landesmuseum Emden. Foto: Martinus Ekkenga)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) - Mezzotinto-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (F. C. Bierweiler, 1818)
Edzard I. (Graf von Ostfriesland) – Mezzotinto-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (F. C. Bierweiler, 1818. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Enno II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (Kopie aus dem 19. Jahrhundert)
  • Enno II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im sogenannten "Schlösschen", Aurich (H. L. Eyben, 1726)

Enno II. (1505-1540)

1528-1540 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft"Schlösschen", Aurich

Enno leidet in der Beurteilung bis heute darunter, daß er der Person des Grafen Edzard I. als Sohn und Nachfolger nicht gleichkam. (mehr …)

Der Bruder: Johann „der Ältere“ (1506-1572)

Den um ein Jahr jüngeren Bruder des Grafen Enno II. von Ostfriesland traf als ersten seines Geschlechts das Problem der Nachbürtigkeit, nachdem Graf Edzard I. die Primogenitur im Hause Cirksena festgesetzt hatte. Solange der Vater lebte, folgte Johann in allem und jedem dem älteren Bruder. Dann trat er in kaiserliche Dienste und war bei der Krönung Karls V. durch Papst Clemens VII. in Bologna anwesend. Sein Ehrgeiz fand wohl kein Ziel, so daß er in die Heimat zurückkehrte und dem Bruder in allen Torheiten des geldrischen Krieges und der ungezügelten Reformation beistand. Vielleicht achtete er mehr als der Ältere auf die Zustände in den Niederlanden, wo er am Hofe der Statthalterin Maria von Ungarn manchen Bekannten aus seinen kaiserlichen Dienstjahren haben mochte.

1538 heiratete er Dorothea von Österreich, eine außereheliche Tochter des Kaisers Maximilian I. Zu seiner Abfindung verlangte er von seinem Bruder Graf Enno II. 100.000 Gulden, eine ungeheure Summe für ostfriesische Verhältnisse, die dieser nur mit Hilfe der Landstände aufbringen konnte. Auch zog Johann den Bruder in einen noch nicht ganz geklärten Versuch, den Katholizismus in Ostfriesland wiederherzustellen. Nach dem Tode Enno II. 1540 gar führte er sich als Herr im Lande auf, residierte in Emden und behauptete sich als Vormund seiner unmündigen Neffen und Nichten gegen seine Schwägerin, die Gräfin Anna von Ostfriesland.

Sein katholisches Bekenntnis hat Johann nie verleugnet. Als 1543 Kaiser Karl V. nach der Unterwerfung des Herzogs Wilhelm zu Kleve, Jülich und Berg die Verwaltung der benachbarten Lande reformierte, ernannte er Johann zum Herrn von Durbuy und Generalstatthalter zu Limburg, Falkenburg, Dalheim und der Lande jenseits der Maas. Johann bezog die Burg Falkenburg bei Maastricht als Residenz – weswegen er oft auch Graf von Falkenburg genannt wurde – und griff nicht mehr in Ostfriesland ein. Seine Tätigkeit als Statthalter des Herzogtums Limburg ist im Einzelnen noch ganz unbekannt. 1556 wurde Johann Ritter des Ordens vom goldenen Vlies.

Seine Nachkommen behielten bis ins 17. Jahrhundert die Burglande von Coldeborg im Reiderland. In der dritten Generation starben sie in männlicher Linie aus. Bis 1685 erhielten sie Abfindungen auf die 1538 zugesagten 100.000 Gulden. Noch 1732 prozessierten die Vormünder von Johanns Ururururenkel Charles d’Immerselle gegen den Fürsten von Ostfriesland um diese Gelder.

Walter Deeters

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Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Anna (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert?)
  • Anna (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im sogenannten "Schlösschen", Aurich (H. L. Eyben, 1726)

Anna (um 1500-1575)

1540-1561 Gräfin von Ostfriesland

Auricher Regentinnenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft"Schlösschen", Aurich

Neben den bekannten Cirksena-Grafen Edzard I. und Enno II. gehört die Gräfin Anna von Ostfriesland als Vormundschaftsregentin in die Reihe der Herrscherinnen, deren Regentschaft als eher unspektakulär zu bezeichnen ist. (mehr …)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Edzard II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Edzard II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Edzard II. (1532-1599)

1561-1599 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

In allen Überlieferungen bleibt das Bild des Grafen Edzard merkwürdig schattenhaft: Er ist nicht gerade eine Unperson, aber es ist nichts Eigenes von ihm bekannt. (mehr …)

Edzard II. (Graf von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Edzard II. (Graf von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Edzard II. (Graf von Ostfriesland) - Münzporträt (Dicker Penning, 1562)
Edzard II. (Graf von Ostfriesland) – Münzporträt (Dicker Penning, 1562. Quelle: Privatsammlung)
Edzard II. (Graf von Ostfriesland) - Münzporträt (Dicker Penning, ohne Jahresangabe)
Edzard II. (Graf von Ostfriesland) – Münzporträt (Dicker Penning, ohne Jahresangabe. Quelle: Privatsammlung)

Der Bruder: Johann der Mittlere (1538-1591)

Als letztes Kind und jüngster Sohn des Grafen Enno II. war Johann verständlicherweise der Liebling seiner Mutter, und schon dieser Umstand mag den Keim zur späteren Zwietracht mit seinem Bruder Edzard II. gelegt haben. Warum ihn dieser auf die Reise nach Stockholm zu seiner Hochzeit mitnahm, ist unbekannt. Dort ging Johann nicht nur unerlaubte Beziehungen mit der Königstochter Caecilia ein, sondern war so dumm, sich dabei ertappen zu lassen. König Gustaf I. Wasa war als Erster einer neuen Dynastie in Ehrensachen besonders empfindlich, und Johann drohte die Todesstrafe. Nur die Fürsprache vieler Potentaten bis zur Königin Elisabeth I. von England rettete ihm das Leben. Manche Zeitgenossen meinten, er sei zur Strafe entmannt worden.

Jedenfalls hat Johann nicht geheiratet. Um so seltsamer muten seine hartnäckigen, von der Mutter geduldeten, Anstrengungen an, auf Grund der von jener 1558 erwirkten kaiserlichen Gesamtbelehnung für alle ihre Söhne eine faktische Teilung der Grafschaft Ostfriesland zu erlangen; hatte er doch keine Nachkommen, denen sein Anteil zu vererben gewesen wäre. Diese Verhaltensweise ist wohl nur aus nicht begründbaren Stimmungen zu erklären.

Johann erhob Klage gegen seinen Bruder Graf Edzard II. vor dem Kaiser, der nach langen Untersuchungen 1589 ihm die Ämter Greetsiel, Leerort und Stickhausen anwies, die er schon lange in Besitz hatte. Daneben hatte er sich ständig in die Regierung des Bruders gemischt, dessen Schwäche das zuließ. Die Folge war eine anhaltende Benachteiligung Ostfrieslands nach außen, eine Stärkung der Landstände und der immer selbstbewußteren Bürgerschaft der Stadt Emden. Schon aus Opposition gegen die erzlutherische Schwägerin bevorzugte Johann das reformierte Bekenntnis und verhalf damit der Spaltung Ostfrieslands in eine reformierte und eine lutherische Hälfte zur Endgültigkeit.

Nahezu unbekannt ist bis jetzt die Frage, wer Johann in allen seinen Handlungen beriet, da ihm eine dem Bruder ähnliche Passivität nachgesagt wird. Sicher scheint zu sein, daß außer dem starken Gefühl weniger Vorsatz seine Taten leitete. Nach Johanns Tod floh sein Rat Dr. Lorenz Holtmann schleunigst zum Grafen von Oldenburg, von dem Graf Edzard II. vergeblich dessen Auslieferung verlangte. Johann ist der letzte Cirksena, der in der Familiengruft in der Großen Kirche in Emden beigesetzt wurde. Bei dieser Gelegenheit war sein Bruder zum letzten Mal in Emden.

Walter Deeters

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Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Enno III. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert?)
  • Enno III. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Enno III. (1563-1625)

1599-1625 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Enno III. (Graf von Ostfriesland) - Kupferstich aus Hamconius: Frisia seu De Viris rebusque Frisiae illustribus (P. Feddes von Harlingen, 1620)
Enno III. (Graf von Ostfriesland) – Kupferstich aus Hamconius: Frisia seu De viris rebusque Frisiae illustribus (P. Feddes von Harlingen, 1620)

Der älteste Sohn des Grafen Edzard II., ein leiblicher Vetter des Königs Gustaf II. Adolf von Schweden, soll nach allgemeiner Aussage heiteren Gemütes gewesen sein, dem die Gabe zugefallen war, mit Menschen aller Schichten sprechen zu können. (mehr …)

Enno III. (Graf von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Enno III. (Graf von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Enno III. (Graf von Ostfriesland) - Münzporträt (Goldgulden, 1615)
Enno III. (Graf von Ostfriesland) – Münzporträt (Goldgulden,1615. Quelle: Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Hinrich Dirksen)

Der Bruder: Johann der Jüngere (1566-1625)

Johann, einer der jüngeren Brüder des Grafen Enno III., trat noch zu Lebzeiten seines Vaters Graf Edzard II. zum katholischen Bekenntnis zurück, wohl in Hoffnung auf eine bessere Versorgung in habsburgischen Diensten. Als im Berumer Vergleich 1600 Graf Enno III. seine älteste Tochter Sabina Catharina mit der Grafschaft Rietberg abfand, heiratete sie Johann ein Jahr später nach eingeholtem päpstlichem Dispens, den er sich in Rom von Papst Clemens VIII. verschafft hatte.

Damit begründete Johann eine katholische Nebenlinie des Hauses Cirksena in der westfälischen Grafschaft Rietberg, einem kleinen Ländchen am Oberlauf der Ems, die von der Landgrafschaft Hessen lehnsabhängig war. 1602 wurde Johann kaiserlicher Oberst, später spanischer General. 1604 half er dem Bischof Dietrich von Paderborn, seine evangelisch gewordene Bischofsstadt mit Waffengewalt zu unterwerfen, und hinderte nicht die gegen die Protestanten begangenen Grausamkeiten. Dennoch bewilligten die ostfriesischen Landstände 1606 ihm die von seinem Bruder Enno zugesagte Abfindung.

Johanns männliche Nachkommen regierten die Grafschaft Rietberg bis zu ihrem Aussterben 1690. Danach fiel sie durch die Heirat der letzten Erbin an die böhmischen Grafen von Kaunitz. Diese Herkunft mütterlicherseits veranlaßte den österreichischen Staatskanzler Fürst Wenzel von Kaunitz, im Siebenjährigen Krieg als persönliche Kriegsbeute das mittlerweile preußisch gewordene Ostfriesland für sich vorzusehen.

Walter Deeters

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Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Rudolf Christian (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Rudolf Christian (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Rudolf Christian (1602-1628)

1625-1628 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Rudolf Christian (Graf von Ostfriesland) wird im Duell tödlich verwundet - Kupferstich aus dem Rijksmuseum Amsterdam (J. Luyken, 1698)
Rudolf Christian (Graf von Ostfriesland) wird im Duell tödlich verwundet – Kupferstich (J. Luyken, 1698. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)

Den Jungverstorbenen gilt die Sympathie der Geschichte, zumal wenn sie vor ihren ersten Fehlern verschieden sind. Rudolf Christian hatte bei dem Antritt der Regierung für sich seine Jugend und die augenblickliche Freiheit Ostfrieslands von Besetzung. (mehr …)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (Kopie aus dem 19. Jahrhundert)
  • Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Ulrich II. (1605-1648)

1628-1648 Graf von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) - Kupferstich-Porträt aus der Albertina Wien (C. Koning nach A. Andriessen, um 1631/32)
Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) – Kupferstich-Porträt (C. Koning nach A. Andriessen, um 1631/32. Quelle: Albertina Wien – gemeinfrei)

Völlig unvorbereitet – die übliche Kavalierstour durch Frankreich und England hatte keine Spuren hinterlassen – mußte der 23jährige Ulrich die Herrschaft in Ostfriesland antreten, nachdem sein Bruder Graf Rudolf Christian unerwartet gestorben war. (mehr …)

Ulrich II. und Juliane (Graf und Gräfin von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Ulrich II. und Juliane (Graf und Gräfin von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) - Porträtmedaille aus dem Ostfriesischen Landesmuseum Emden (ohne Jahresangabe, Vorderseite)
Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) – Porträtmedaille (ohne Jahresangabe, Vorderseite. Quelle: Ostfriesisches Landesmuseum Emden)
Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) - Münzporträt (Dicker Doppeltaler, 1632. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)
Ulrich II. (Graf von Ostfriesland) – Münzporträt (Dicker Doppeltaler, 1632. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Juliane (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (Kopie aus dem 19. Jahrhundert)
  • Juliane (Gräfin von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Juliane (1606-1659)

1648-1651 Gräfin von Ostfriesland

Auricher Regentinnenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Juliane (Gräfin von Ostfriesland) - Kupferstich-Porträt aus der Albertina Wien (C. Koning nach A. Andriessen, um 1631/32)
Juliane (Gräfin von Ostfriesland) – Kupferstich-Porträt (C. Koning nach A. Andriessen, um 1631/32. Quelle: Albertina Wien – gemeinfrei)

Als im Dreißigjährigen Krieg der Graf von Ostfriesland kurze Zeit Herr seiner selbst war, heiratete Ulrich II. im März 1631 die Landgräfin Juliane von Hessen aus der Darmstädter Linie. Damit griffen die Cirksena zum ersten Mal mit ihren Heiratsbeziehungen nach Süddeutschland aus. (mehr …)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Enno Ludwig (1632-1660)

1651-1660 Graf / Fürst von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) - Ausschnitt aus einem Kupferstich mit 15 Porträts von Mitgliedern des Hauses Oranien-Nassau aus dem Rijksmuseum Amsterdam (F. de Wit, 1650-1706)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) – Ausschnitt aus einem Kupferstich mit 15 Porträts von Mitgliedern des Hauses Oranien-Nassau (F. de Wit, 1650-1706. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)

Der Erstgeborene des Grafen Ulrich II. von Ostfriesland wuchs in den Nöten des Dreißigjährigen Krieges auf. Frühzeitig sorgten die Eltern dafür, ihn daraus zu entfernen und in die sicheren Niederlande zu schicken, die damals das kulturelle Zentrum Europas waren. (mehr …)

Porträts Enno Ludwigs als Verlobter Henriette Catharinas

Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) im Alter von 10 Jahren - Kupferstich-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (C. van Dalen nach C. van den Queborn, 1642)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) im Alter von 10 Jahren – Kupferstich-Porträt (C. van Dalen nach C. van den Queborn, 1642. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) und seine Verlobte, Henriette Catharina von Oranien-Nassau vor der Emder Burg - Kupferstich aus dem Rijksmuseum Amsterdam (C. J. Visscher, um 1645-1652)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) und seine Verlobte, Henriette Catharina von Oranien-Nassau, vor der Emder Burg – Kupferstich (C. J. Visscher, um 1645-1652. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) im Alter von 12 Jahren - Kupferstich-Porträt aus dem Rijksmuseum Amsterdam (C. van Dalen nach C. van den Queborn, 1644)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) im Alter von 12 Jahren – Kupferstich-Porträt (C. van Dalen, 1644. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) und seine Verlobte, Henriette Catharina von Oranien-Nassau - Allegorischer Kupferstich aus dem Rijksmuseum Amsterdam (R. van den Hoeye, 1641)
Enno Ludwig (Fürst von Ostfriesland) und seine Verlobte, Henriette Catharina von Oranien-Nassau – Allegorischer Kupferstich (R. van den Hoeye, 1641. Quelle: Rijksmuseum Amsterdam – gemeinfrei)

Familienporträts:

F. van Beusekom, 1642 – Österreichische Nationalbibliothek Wien (Enno Ludwig und Henriette Catharina im Kreis der Mitglieder des Hauses Oranien-Nassau)

F. de Wit, nach 1650 – Rijksmuseum Amsterdam (Enno Ludwig als Erwachsener in einem Sammelporträt des Hauses Oranien-Nassau)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Georg Christian (1634-1665)

1660-1665 Graf / Fürst von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Heimatvereins Leer (undatiert)
Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) – Porträt im Besitz des Heimatvereins Leer (Undatiert. Foto: Thomas Schreiber)

Georg Christian, zweiter Sohn von Graf Ulrich II. und Juliane, Landgräfin von Hessen, wuchs in enger Gemeinschaft mit seinem jüngeren Bruder Edzard Ferdinand am Hof in Aurich auf. Gemeinsam mit ihm erhielt er auch ab 1649 seine Erziehung an den Akademien von Breda und Tübingen. (mehr …)

Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Münzporträt (Taler, ohne Jahresangabe. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)
Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) – Münzporträt (Taler, ohne Jahresangabe. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)
Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) - Münzporträt (Taler, ohne Jahresangabe. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)
Georg Christian (Fürst von Ostfriesland) – Münzporträt (Taler, ohne Jahresangabe. Aus: Münz- und Medaillen-Kabinet des Grafen Karl zu Inn- und Knyphausen)

Der Bruder: Edzard Ferdinand (1636-1668)

Edzard Ferdinand, jüngster Sohn von Graf Ulrich II. und Juliane, Landgräfin von Hessen, wurde nach einer in erzieherischer Hinsicht fast völlig vernachlässigten Kindheit von seinem vierzehnten Lebensjahr an auf den Akademien von Breda und Tübingen erzogen. Seine Ausbildung vervollständigte er durch die zeitgemäßen ausgedehnten Reisen, die ihn nach Frankreich, in die Schweiz (besonders Genf), nach Italien und schließlich nach England führten. Während seiner Studien erwies er sich bereits frühzeitig als der begabteste der drei Söhne Ulrichs II. 1658 kehrte er endgültig nach Aurich zurück und lebte dort am Hof seines ältesten Bruders, Graf Enno Ludwig. Nach dessen überraschendem Tod im März 1660 bot Edzard Ferdinand seinem nun die Nachfolge als Landesherr antretenden älteren Bruder Georg Christian eine Mitregierung an. Der Vorschlag entsprang seinem Bedürfnis, zwei Jahre nach dem endgültigen Abschluß seiner Studien endlich eine angemessene Stellung und Beschäftigung zu finden. Sein Versuch scheiterte jedoch an dem Eigensinn Georg Christians, der eine Beteiligung Edzard Ferdinands an der Landesregierung, sei sie offizieller oder auch nur privater Natur, kategorisch ablehnte. Gleichfalls abgelehnt wurden auch Edzard Ferdinands Forderungen nach der Auszahlung seines Anteils am elterlichen Erbe sowie einer Apanage zu seinem Unterhalt, was zu einer tiefen Mißstimmung zwischen den Brüdern führte. Nur wenige Wochen später wurden diese innerfamiliären Streitigkeiten zu einem Politikum. Ein Teil der Stände, der sich unter der Führung der Stadt Emden geweigert hatte, den Regierungsantritt Georg Christians anzuerkennen, plante nämlich offen, Edzard Ferdinand anstelle seines Bruders als Landesherrn einzusetzen und hoffte vor allem auf Grund des Gegensatzes zwischen den Brüdern auf ein erfolgreiches Gelingen dieses Plans. Die bekannte Freundlichkeit und Nachgiebigkeit Edzard Ferdinands, die ihn der ständischen Opposition als so geeigneten Gegekandidaten hatte erscheinen lassen, verhinderte jedoch, daß sich die rebellischen Stände durchsetzten. Edzard Ferdinand bemühte sich nämlich, kaum daß ihm das ständische Vorhaben bekannt wurde, sofort angestrengt um eine Aussöhnung mit Georg Christian. Vor allem auf Grund seiner geduldigen Annäherungsversuche konnte bereits am 19. Januar 1661 ein Vertrag zwischen den Brüdern geschlossen werden, in dem Edzard Ferdinand gegen eine jährliche Apanage auf eine Mitregierung offiziell Verzicht leistete. Von da an lebte Edzard Ferdinand für die nächsten Jahre in relativer Zurückgezogenheit mit einem kleinen Hofstaat in Norden. Am 22. Juli 1665 verheiratete er sich mit Anna Dorothea von Criechingen und Püttlingen, mit der er zwei Söhne hatte.

Fast zur gleichen Zeit erhob sich auch noch einmal die Frage des Regierungsantritts von Edzard Ferdinand, da Georg Christian Anfang Juni 1665 plötzlich verstorben war. Wegen der bestehenden Schwangerschaft der Fürstenwitwe aber konnte Edzard Ferdinand die Regierung zunächst nur in Vertretung eines eventuellen männlichen Erben Georg Christians übernehmen. Die folgenden vier Monate der Interimsregierung Edzard Ferdinands sind durch eine intelligente, wenn auch zum Teil übervorsichtige Politik gegenüber den Ständen gekennzeichnet, deren Machtstreben das größte innenpolitische Problem des Fürstentums bildete. In deutlichem Gegensatz zu seinen Vorgängern strebte Edzard Ferdinand einen Ausgleich mit den Ständen und die Aufrechterhaltung des inneren Friedens an, ohne landesherrliche Positionen aufzugeben. Insgesamt war die Zeit seiner Regierung jedoch viel zu kurz, um zeigen zu können, ob seine veränderte Vorgehensweise innenpolitische Erfolge zeitigte. Die Geburt Christian Eberhards im Oktober 1665 setzte allen Experimenten ein Ende. Gemeinsam mit seiner Schwägerin sowie den Herzögen von Württemberg und Braunschweig-Lüneburg trat Edzard Ferdinand voller Verantwortungsbewußtsein für seine Aufgabe in eine Vormundschaftsregierung für Christian Eberhard ein. Die Fürstenwitwe jedoch, bestrebt eigene ehrgeizige Pläne zu verwirklichen, zog ihn weder zu Regierungsangelegenheiten hinzu, noch beachtete sie seine Ratschläge und späteren Einwände gegen die von ihr verfolgte Politik. Aufgrund ihrer kompromißlosen Haltung gegenüber den Ständen wuchsen die innenpolitischen Spannungen in den nächsten zwei Jahren derart, daß sich selbst der immer um Ausgleich bemühte Edzard Ferdinand gezwungen sah, einzuschreiten. Obwohl er bereits schwerkrank war, nahm er im Herbst 1667 einen von den Ständen aufgebrachten und von den Niederlanden unterstützten Vorschlag an, anstelle der Fürstin Christine Charlotte allein die Vormundschaftsregierung für seinen Neffen zu führen. Sein vorzeitiger Tod am 1. Januar setzte diesen Plänen jedoch ein Ende.

Sabine Heißler

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Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

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Die Persönlichkeit wie auch die politische Leistung der Fürstin Christine Charlotte wurden in der bisherigen ostfriesischen Geschichtsschreibung fast ausnahmslos negativ beurteilt. (mehr …)

Christine Charlotte (Fürstin von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Christine Charlotte (Fürstin von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Sarkophag der Fürstin Christine Charlotte im Mausoleum de Cirksena in Aurich
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Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt in Privatbesitz, Weener (G. P. van der Zeepen, um 1693)
Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) – Porträt in Privatbesitz, Weener (G. P. van der Zeepen, um 1693)

„Das Sonnenkind des Hauses Cirksena“ (Reimers) war ein gutmütiger Bursche von stattlichem Aussehen. Er war ein Mann, der lieber nachgab als zu streiten, ostfriesisch sparsam aber nicht dickköpfig. (mehr …)

Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Monogramm des Fürsten Christian Eberhard am Burgtor in Aurich
Monogramm des Fürsten Christian Eberhard am Burgtor in Aurich
Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) - Münzporträt (Silbergulden, Giovanni Hamerani,1686)
Christian Eberhard (Fürst von Ostfriesland) – Münzporträt (Silbergulden, Giovanni Hamerani,1686. Quelle: Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Foto: Hinrich Dirksen)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (undatiert)
  • Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Auricher Schloss (undatiert)

Georg Albrecht (1690-1734)

1708-1734 Fürst von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen LandschaftAuricher Schloss

Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) - Kupferstich-Porträt (Frontispiz zu Brenneysen: Ostfriesische Historie und Landes-Verfassung)
Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) – Kupferstich-Porträt (C. Fritzsch, 1720, Frontispiz zu Brenneysen: Ostfriesische Historie und Landes-Verfassung)

Nach Jahren heftiger Streitigkeiten zwischen der Stadt Emden und den ostfriesischen Landständen einerseits und dem Fürsten Georg Christian bzw. seiner Witwe Christine Charlotte, geb. Herzogin von Württemberg andererseits brachte der Regierungsantritt des Fürsten Christian Eberhard einen lang ersehnten Frieden. Dieser Friede stand jedoch auf unsicheren Füßen. (mehr …)

Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) - Porträtbüste aus Wachs im Besitz des Historischen Museums Aurich (Anfang 17. Jahrhundert)
Georg Albrecht (Fürst von Ostfriesland) – Porträtbüste aus Wachs im Besitz des Historischen Museums Aurich (Anf. 17. Jh.)

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Monogramm des Fürsten Georg Albrecht am Marstall in Aurich
Monogramm des Fürsten Georg Albrecht am Marstall in Aurich

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena

  • Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert)
  • Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im sogenannten "Schlösschen", Aurich (18. Jahrhundert)

Carl Edzard (1716-1744)

1734-1744 Fürst von Ostfriesland

Auricher Regentenporträts: Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft"Schlösschen", Aurich

Dem letzten Fürsten von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena – sozusagen als sein Charakteristikum – allein geistige Unbeweglichkeit, ja eine gewisse Infantilität und genetische Defizite als Folge eines mehrfachen Ahnenschwundes zu attestieren, damit auch seinen frühen und rätselhaften Tod zu erklären, vielleicht gar zu rechtfertigen, hieße sicher, einer überaus tragischen Figur nicht gerecht zu werden. (mehr …)

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Besitz des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Rudolstadt (H. L. Eyben, 1730-1734)
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Jugendporträt im Besitz des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Rudolstadt (H. L. Eyben, 1730-1734. Copyright: Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Rudolstadt. Foto: Foto-Loesche)

Carl Edzard wurde als viertes Kind des regierenden Fürsten Georg Albrecht und der Christine Louise, einer geborenen Prinzessin von Nassau-Idstein, auf der Burg in Aurich geboren. Alle drei Geschwister starben bereits vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres. Im Alter von nicht einmal sieben Jahren verlor Carl Edzard seine Mutter, und er erhielt ein halbes Jahr später eine nur neun Jahre ältere Stiefmutter. Die Angst des religiös übersteigerten Vaters vor dem Erlöschen seines Geschlechts ließ den Sohn in einer Atmosphäre von Bigotterie und asketischer Frömmigkeit aufwachsen, die dem Kind keinerlei Freiräume und Möglichkeiten zu Selbstentwicklung ließ. Bereits die ersten väterlichen Anweisungen an den Hofmeister des Prinzen, den späteren Minister von Langeln, machten deutlich, daß man die Kindheit des Sechsjährigen zu diesem Zeitpunkt als beendet betrachtete. Jede Stunde, jeder Tag, jede Woche wurde durch einen exakt einzuhaltenden Stundenplan dem Prinzen fortan vorgeschrieben. Das Kind mit römischem Recht, mittelalterlicher Herrschaftsgeschichte und Französisch und immer wieder mit Bibellesen und religiösen Texten zu traktieren, erschien nicht nur dem Vater völlig normal, sondern entsprach den Prinzipien barocker Fürstenausbildung. Geradezu symptomatisch für diese Art der Erziehung war die Tatsache, daß später dem fast Achtzehnjährigen auch die kurzen Zeiten der Erholung, die Stunden des Ausritts und des Spaziergangs, terminlich exakt vorgegeben waren. Daß diese Art der Bildung wenig intelligenzfördernd war und kaum zu einem freien Geist erzog, ist leicht nachvollziehbar. Kaum verwunderlich auch, daß Hofmeister und Lehrer eine gewisse Unlust, ja Abneigung gegen den Lehrstoff und ihre Lehrmethoden bei ihrem Schüler feststellen mußten. Hinzu kam auch eine körperliche Unbeweglichkeit. Carl Edzard war nicht nur eine überdurchschnittlich große, sondern auch reichlich korpulente Erscheinung, was allerdings durchaus dem ästhetischen Zeitgeschmack entsprach.

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert)
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jh.)

Für eine sonst übliche Kavaliersreise oder gar ein kurzes Studium blieb dem Erbprinzen keine Zeit. Auch eine militärische Ausbildung hatte Carl Edzard, obwohl von seinem Vater schon mit zehn Jahren zum Obristen und Chef der kleinen fürstlichen Miliz ernannt, nicht genossen. Außer den Hof in Aurich, vielleicht noch das Jagdschloß in Sandhorst und die fürstliche Burg Berum lernte der junge Mann nichts kennen. Selbst als regierender Fürst war er nur zu kurzen Verwandtenbesuchen und zur Kur außerhalb seines Landes. Er hat auch nicht einmal die größte Stadt seines Territoriums, das eigenwillige Emden, betreten, sondern nur von außen betrachten können.

Noch vor seinem 18. Geburtstag erlitt der Vater, schon längere Zeit schwer krank, einen Schlaganfall. In Erwartung des Ablebens des Regenten trafen die Familie und der Hof Vorbereitungen zu einer schnellen Heirat. Vermutlich seine Stiefmutter hatte ihm schon vorher die Tochter ihrer ältesten Schwester, die Prinzessin Sophie Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth ausgesucht und die Verlobung des gerade Sechzehnjährigen mit der zwei Jahre älteren Verwandten arrangiert. Am 25. Mai 1734 wurde auf der Burg Berum die Eheschließung des Prinzen mit der resoluten und ihrem Gatten wohl auch an geistigen Qualitäten überlegenen süddeutschen Prinzessin vollzogen. Drei Wochen später, am 12. Juni 1734, verstarb der Vater und Carl Edzard wurde Landesherr von Ostfriesland, ohne eigentlich auf diese Aufgabe vorbereitet zu sein. Dabei hätte es gerade bei den komplizierten politischen Landesverhältnissen eines erfahrenen und intelligenten Regenten bedurft.

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt in Privatbesitz, Weener (18. Jahrhundert)
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Porträt in Privatbesitz, Weener (18. Jh.)

Zwar hatte Carl Edzard nominell mit dem Tode des Vaters den Fürstenhut erhalten, eine Rolle sollte er jedoch in der ostfriesischen Geschichte allenfalls durch seinen Tod spielen. Sein nur mäßiges Ansehen und die geringe Bedeutung, die man ihm zumaß, manifestierte sich in der Haltung der Stadt Emden und anderer „renitenter“ Teile der Landstände, die ihm schlichtweg die Huldigung verweigerten. Ob er überhaupt in irgendeiner Form an der Politik und der Verwaltung des Landes beteiligt war, muß bezweifelt werden. Nach dem Tode Brenneysens, des Kanzlers seines Vaters, der seinem Landesherrn nur wenige Tage später in den Tod nachgefolgt war, wurde der Geheime Rat und Hofmarschall Johann Philipp von Langeln, Carl Edzards ehemaliger Hofmeister, – und das ist auch bezeichnend für das Verhältnis – erster fürstlicher Minister. Langeln war ein überaus arbeitsamer, korrekter und honoriger Beamter, zeigte sich aber der landständischen Opposition nicht gewachsen. Auch wenn Tileman Dothias Wiarda die Person des Fürsten in seiner „Ostfriesischen Geschichte“ mehrfach namentlich erwähnt, hauptsächlich im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen, so meinte er doch sicher eher die Institution der Landesherrschaft in der Person des Fürsten.

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jahrhundert)
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Porträt im Besitz der Ostfriesischen Landschaft (18. Jh.)

Als schwacher Landesherr mußte Carl Edzard Widersacher geradezu auf sich ziehen: Preußen, dessen Anspruch auf Ostfriesland schon aus dem Jahre 1681 resultierte und das nun die Chance zur Einverleibung des Küstenstaats sah, die Stadt Emden, weil sie nach einer umfassenden Selbstständigkeit strebte, und letztendlich den Syndikus der Landstände und Führer des Widerstandes, Sebastian A. Homfeld, ein ehrgeiziger Kopf, ohne jeden politischen Skrupel, der sich persönliche Vorteile erhoffte und vielleicht gar die Krone des preußischen „Vizekönigs von Ostfrieslands“ vor sich schimmern sah. Ihnen allen war der jugendliche Carl Edzard kein ebenbürtiger Gegner. Seine Kontrahenten hatten bereits lange vor seinem überraschenden Tode am 25. Mai 1744 ein Ostfriesland ohne das Haus Cirksena geplant. Ob sein schnelles Ableben wirklich nur ein Zufall war oder aber von interessierter Seite zumindest nachgeholfen wurde, ist nicht mehr aufklärbar. Auf jeden Fall starb Carl Edzard, vier Tage nachdem seine Gemahlin, Fürstin Sophie Wilhelmine eine Fehlgeburt hatte und damit die Hoffnungen auf einen Erben und Nachfolger zunächst dahin waren, im Alter von gerade 28 Jahren.

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Münzporträt (Gold-Dukat, 1737)
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Münzporträt (Gold-Dukat, 1737. Quelle: Privatsammlung)

Carl Edzard besaß nicht die Qualitäten und Fähigkeiten seines Vaters, eines typisch barocken Fürsten mit absolutistischem Gehabe, er war – so beschreiben ihn Zeitgenossen – eher von schlichter Art, bescheiden in seinen Ansprüchen, dabei hilflos ohne seine Berater und den Ränken der Politik gnadenlos ausgeliefert. Er war ein Kind ohne Kindheit, ein Landesherr ohne Macht, ohne adäquate Ausbildung, und was ihm vielleicht selbst bewußt war, von seinen Feinden schon früh dazu verurteilt, möglichst bald von der politischen Bühne abzutreten. Er war, um es prosaisch auszudrücken, sicher eine der unglücklichsten Figuren der ostfriesischen Geschichte.

Stefan Pötzsch

Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) - Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) - Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft
Carl Edzard (Fürst von Ostfriesland) – Ausschnitt aus: Carl Köhl: Die Grafen und Fürsten von Ostfriesland und Harlingerland (1844) – Lithographie im Besitz der Ostfriesischen Landschaft

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Carl Edzard und Sophie Wilhelmine (Fürst und Fürstin von Ostfriesland) - Kupferstich im Besitz der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer Emden (C. Fritzsch nach H. L. Eyben, 1738)
Carl Edzard und Sophie Wilhelmine (Fürst und Fürstin von Ostfriesland) – Kupferstich im Besitz der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer Emden (C. Fritzsch nach H. L. Eyben, 1738. Quelle: Ostfriesisches Landesmuseum Emden)

Weitere Regentinnen und Regenten des Hauses Cirksena