Eine Zusammenstellung der Porträts aus dem Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft und dem Auricher Schloss
mit weiteren Bildern und den Texten aus dem biographischen Lexikon für Ostfriesland
Die Geschichte der frühen Neuzeit in Ostfriesland ist eng mit dem Haus Cirksena verknüpft, das seit der Erhebung des Landes zur Grafschaft 1464 bis zum Aussterben der Dynastie 1744 die Herrschaft ausübte. Neben dreizehn Männern regierten vier Frauen das Land, was aufgrund des rein männlichen Erbrechts nur möglich war, wenn eine Witwe stellvertretend für ihren unmündigen Sohn Regentin wurde. Die Geschichte Ostfrieslands unter den Cirksena lässt sich grob in vier Phasen unterteilen.
Dem Häuptling Ulrich Cirksena gelingt es 1464, von Kaiser Friedrich III. zum Grafen in Ostfriesland erhoben zu werden. Nach seinem Tod kurze Zeit später können seine Witwe Theda und sein Sohn Enno I. die Herrschaft sichern. Unter dem zweiten Sohn Edzard I. erreicht Ostfriesland kurzfristig seine größte Ausdehnung – von Groningen bis an die Weser.
Ulrich I. (1464-1466)Theda (1466-um 1480)Enno I. (um 1480-1491)Edzard I. (1491-1528)
Unter Enno II. geht Ostfriesland zum Protestantismus über. Seine Witwe Anna versucht, die beginnenden konfessionellen Gegensätze zu überbrücken. Der älteste Sohn Edzard II. schließt sich der lutherischen Lehre an, während Teile des Landes unter Führung seines Bruders Johann und der Stadt Emden der reformierten Konfession folgen. Unter dessen Sohn Enno III. erreicht der Konflikt zwischen dem Grafenhaus und den von Emden geführten Ständen Ostfrieslands seinen Höhepunkt.
Enno II. (1528-1540)Anna (1540-1561)Edzard II. (1561-1599)Enno III. (1599-1625)
Im Dreißigjährigen Krieg wird Ostfriesland von verschiedenen Armeen heimgesucht, was weder der früh verstorbene Rudolf Christian noch nach ihm sein Bruder Ulrich II. verhindern können. Juliane, die Witwe Ulrichs, regiert nur kurz vormundschaftlich. Ihre Söhne Enno Ludwig und darauf Georg Christian erlangen den zunächst persönlichen, dann erblichen Reichsfürstenstand.
Rudolf Christian (1625-1628)Ulrich II. (1628-1648)Juliane (1648-1651)Enno Ludwig (1651-1660)Georg Christian (1660-1665)
Als Regentin für ihren unmündigen Sohn gerät Christine Charlotte mit dem Versuch, absolutistische Herrschaftsvorstellungen auch in Ostfriesland umzusetzen, in scharfen Gegensatz zu den Ständen. Ihr pietistischer Sohn Christian Eberhard fährt einen versöhnlicheren Kurs. In der Generation darauf gerät das Land unter Georg Albrecht durch die verheerende Weihnachtsflut und erneuten Streit zwischen Regierung und Ständen wieder in unruhigeres Fahrwasser. Mit dessen Sohn Carl Edzard, der 1744 kinderlos stirbt, enden 280 Jahre Herrschaft der Cirksena über Ostfriesland.
Christine Charlotte (1665-1690)Christian Eberhard (1690-1708)Georg Albrecht (1708-1734)Carl Edzard (1734-1744)
Teil 4 (1665-1744) im Überblick
Über die vier Regentinnen hinaus ist auch das Porträt Katharina Wasas, Gräfin als Ehefrau Edzards II., in die beiden Porträtgalerien im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft und im Auricher Schloss aufgenommen worden. Von weiteren ostfriesischen Gräfinnen und Fürstinnen, die nicht die Herrschaft ausüben, sind ebenfalls Porträts überliefert.
Nach den Cirksena herrschen seit 1744 die preußischen Hohenzollern, 1807-1813 Louis und Napoléon Bonaparte sowie ab 1815 die hannoverschen Welfen über Ostfriesland. 1866 wird das Land endgültig ein Teil Preußens und kurz darauf des Deutschen Reiches.
Die Frauen der Cirksena (Katharina Wasa – Gräfin als Ehefrau Edzards II.)Hohenzollern und Bonaparte – Nachfolger 1744-1815 (Friedrich II. – 1744-1786)Die Welfen – Nachfolger 1815-1866 (Georg III. – 1815-1820)
Porträts der Cirksena im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft und im Auricher Schloss
Gleich zwei Gemäldegalerien der Regentinnen und Regenten Ostfrieslands aus historischer Zeit sind in Aurich erhalten: eine ehemals fürstliche, die nach wie vor im Auricher Schloss aufbewahrt wird, und eine aus dem Besitz der Landstände, die sich heute im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft befindet.
Hofmann, Friedrich H.: Ostfriesische Fürstenbilder aus der letzten Fürstenzeit, in:
Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden („Emder Jahrbuch“), 23. Band (1932), Seite 45-102 und Tafel 1-18
Ulrich entstammte der Häuptlingsfamilie von Greetsiel. Sein Vater Enno hatte das angefallene Erbe der Norder Attena bekommen und war damit Häuptling zu Norden geworden.
Theda war die Erbin und Enkelin des Häuptlings Focko Ukena und brachte dessen Besitz in die Ehe mit Ulrich Cirksena ein. Ihre Stunde schlug, als dieser unvermutet am 27. September 1466 starb und sie mit sechs unmündigen Kindern allein ließ.
Der älteste Sohn des Grafen Ulrich I. von Ostfriesland übernahm in den Jahren nach 1480 mehr und mehr Regierungsaufgaben von seiner Mutter, der Gräfin Theda. Eine förmliche Regierungsübernahme fand nicht statt.
Enno leidet in der Beurteilung bis heute darunter, daß er der Person des Grafen Edzard I. als Sohn und Nachfolger nicht gleichkam. War es Unfähigkeit oder Schicksal? Alles deutet darauf hin, daß diese Frage mit dem ersten Wort beantwortet werden muß.
Neben den bekannten Cirksena-Grafen Edzard I. und Enno II. gehört die Gräfin Anna von Ostfriesland als Vormundschaftsregentin in die Reihe der Herrscherinnen, deren Regentschaft als eher unspektakulär zu bezeichnen ist.
In allen Überlieferungen bleibt das Bild des Grafen Edzard merkwürdig schattenhaft: Er ist nicht gerade eine Unperson, aber es ist nichts Eigenes von ihm bekannt.
Der älteste Sohn des Grafen Edzard II., ein leiblicher Vetter des Königs Gustaf II. Adolf von Schweden, soll nach allgemeiner Aussage heiteren Gemütes gewesen sein, dem die Gabe zugefallen war, mit Menschen aller Schichten sprechen zu können.
Den Jungverstorbenen gilt die Sympathie der Geschichte, zumal wenn sie vor ihren ersten Fehlern verschieden sind. Rudolf Christian hatte bei dem Antritt der Regierung für sich seine Jugend und die augenblickliche Freiheit Ostfrieslands von Besetzung.
Völlig unvorbereitet – die übliche Kavalierstour durch Frankreich und England hatte keine Spuren hinterlassen – mußte der 23jährige Ulrich die Herrschaft in Ostfriesland antreten, nachdem sein Bruder Graf Rudolf Christian unerwartet gestorben war.
Als im Dreißigjährigen Krieg der Graf von Ostfriesland kurze Zeit Herr seiner selbst war, heiratete Ulrich II. im März 1631 die Landgräfin Juliane von Hessen aus der Darmstädter Linie. Damit griffen die Cirksena zum ersten Mal mit ihren Heiratsbeziehungen nach Süddeutschland aus.
Der Erstgeborene des Grafen Ulrich II. von Ostfriesland wuchs in den Nöten des Dreißigjährigen Krieges auf. Frühzeitig sorgten die Eltern dafür, ihn daraus zu entfernen und in die sicheren Niederlande zu schicken, die damals das kulturelle Zentrum Europas waren.
Georg Christian, zweiter Sohn von Graf Ulrich II. und Juliane, Landgräfin von Hessen, wuchs in enger Gemeinschaft mit seinem jüngeren Bruder Edzard Ferdinand am Hof in Aurich auf. Gemeinsam mit ihm erhielt er auch ab 1649 seine Erziehung an den Akademien von Breda und Tübingen.
Die Persönlichkeit wie auch die politische Leistung der Fürstin Christine Charlotte wurden in der bisherigen ostfriesischen Geschichtsschreibung fast ausnahmslos negativ beurteilt.
„Das Sonnenkind des Hauses Cirksena“ (Reimers) war ein gutmütiger Bursche von stattlichem Aussehen. Er war ein Mann, der lieber nachgab als zu streiten, ostfriesisch sparsam aber nicht dickköpfig.
Nach Jahren heftiger Streitigkeiten zwischen der Stadt Emden und den ostfriesischen Landständen einerseits und dem Fürsten Georg Christian bzw. seiner Witwe Christine Charlotte, geb. Herzogin von Württemberg andererseits brachte der Regierungsantritt des Fürsten Christian Eberhard einen lang ersehnten Frieden. Dieser Friede stand jedoch auf unsicheren Füßen.
Dem letzten Fürsten von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena – sozusagen als sein Charakteristikum – allein geistige Unbeweglichkeit, ja eine gewisse Infantilität und genetische Defizite als Folge eines mehrfachen Ahnenschwundes zu attestieren, damit auch seinen frühen und rätselhaften Tod zu erklären, vielleicht gar zu rechtfertigen, hieße sicher, einer überaus tragischen Figur nicht gerecht zu werden.
Von den 17 regierenden Cirksena in Ostfriesland waren immerhin 4 weiblich, obwohl Frauen wegen des rein männlichen Erbrechts die Regentschaft nur ausnahmsweise für ihre minderjährigen Söhne ausüben konnten.
Die Landschaftsbibliothek in Aurich verfügt in ihrer Manuskripte-Sammlung über ein mehrbändiges Werk von sehr heterogenem Charakter. Es handelt sich um das „Sammelwerk Ostfriesland“ von Hermann Eggen aus der zweiten Hälfte der 1930er Jahre.